**Warum scheinbar kleine Wechsel manchmal so viel Kraft kosten können**
„Ich muss doch nur schnell los.“
Ein Satz, den viele Frauen mit ADHS, AuDHS oder PDA kennen.
Und manchmal ist genau dieses „nur schnell“ überhaupt nicht schnell.
Der Weg aus der Haustür zum Einkauf.
Ein bevorstehender Termin.
Das Beenden einer Aufgabe und der Wechsel in die nächste.
Vom Arbeiten zum Familienalltag.
Vom Alleinsein in eine soziale Situation.
Vom Funktionieren in die Ruhe.
Von außen sieht es häufig nach einem kleinen Wechsel aus.
Innerlich kann dabei sehr viel passieren.
Denn ein Übergang beginnt nicht unbedingt erst in dem Moment, in dem ich tatsächlich losgehe.
Vielleicht muss ich mich zunächst aus dem lösen, was ich gerade tue.
Ich muss mich erinnern.
Entscheiden.
Mich orientieren.
Meine Sachen zusammensuchen.
Meinen Körper aus einer Tätigkeit in die nächste bringen.
Und gleichzeitig beginnt die Anpassung an das, was jetzt kommt.
Welche Reize erwarten mich?
Welche Menschen?
Welche Anforderungen?
Wie viel Aufmerksamkeit brauche ich?
Wie sicher oder unsicher fühlt sich diese nächste Situation an?
Und dann ist da meine aktuelle innere Beschaffenheit.
Damit meine ich nicht einfach „gute“ oder „schlechte“ Tagesform.
Sondern meine ganz konkrete aktuelle Ressourcenlage.
Wie habe ich geschlafen?
Habe ich gegessen und getrunken?
Habe ich meine Körperbedürfnisse wahrgenommen – oder wieder einmal so lange funktioniert, dass ich sie gar nicht bemerkt habe?
Wie viele Reize musste mein Nervensystem heute bereits verarbeiten?
Wie viele Entscheidungen habe ich getroffen?
Wie viele soziale Situationen erlebt?
Wie viele kleine Wechsel gab es heute schon?
All das kann beeinflussen, wie gut ein weiterer Übergang gelingt.
Und manchmal auch, **ob ich überhaupt noch Kapazität für ihn habe.**
Vielleicht hast du an diesem Tag bereits unzählige kleine Übergänge bewältigt, ohne sie überhaupt als solche wahrzunehmen.
Und dann kommt der x-te.
Und plötzlich ist er zu viel.
Zu schwer.
Nicht machbar.
Nicht weil du nicht willst.
Nicht weil dir Disziplin fehlt.
Und auch nicht, weil du dich einfach „mehr zusammenreißen“ müsstest.
Vielleicht ist deine verfügbare Kapazität an diesem Punkt einfach bereits weitgehend aufgebraucht.
## Übergänge brauchen deshalb manchmal Übergangsraum.
Nicht noch mehr Druck.
Sondern Orientierung.
Vorbereitung.
Eine Zwischenstation.
Ein kleines Ritual.
Eine Pause.
Oder manchmal einfach die Erlaubnis, nicht sofort funktionieren zu müssen.
Wissenschaftlich wird bei Aufgabenwechseln unter anderem von sogenannten **Switch Costs** gesprochen: Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Anforderungen kann vorübergehend zusätzliche kognitive Ressourcen beanspruchen und mit langsameren Reaktionen oder mehr Fehlern verbunden sein. Auch exekutive Funktionen spielen für die Alltagsorganisation und Anpassung eine wichtige Rolle.
Für neurodivergente Menschen kann deshalb die Frage interessant werden:
**Wie gestalte ich Übergänge so, dass sie zu meinem Gehirn, meinem Körper und meiner aktuellen Ressourcenlage passen?**
Und genau hier beginnt für mich Selbstbegleitung.
Nicht mit einem weiteren Tool.
Sondern zunächst mit **innerer Orientierung**.
Ich sage meinen Klientinnen häufig:
> **„Zuerst die innere Orientierung vor der äußeren Orientierung.“**
Denn bevor wir herausfinden können, welches Tool uns unterstützt, lohnt es sich, unsere eigene innere Landschaft kennenzulernen.
Was brauche ich?
Was kostet mich Energie?
Was überfordert mich?
Was reguliert mich?
Woran bemerke ich, dass meine Kapazität sinkt?
Was hilft mir vor einem Übergang?
Was brauche ich währenddessen?
Und was brauche ich danach?
Manche Tools funktionieren wunderbar.
Andere nur an bestimmten Tagen.
Und manche überhaupt nicht.
Das bedeutet nicht automatisch, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Vielleicht passt das Werkzeug gerade einfach nicht zu deiner aktuellen inneren Landschaft.
### Selbstbegleitung bedeutet für mich deshalb nicht Selbstoptimierung.
Es bedeutet, dich selbst immer besser lesen zu lernen.
Deine individuellen Strukturen kennenzulernen.
Auszuprobieren.
Zu wiederholen.
Zu kultivieren.
Und nach und nach das zu verankern, was dich tatsächlich unterstützt.
Dazu gehört für mich ganz wesentlich **Selbstfreundlichkeit statt Selbstbeschämung**.
Auch dann, wenn es wieder einmal nicht gelingt.
Wenn du zu spät loskommst.
Wenn der Übergang schwerfällt.
Wenn dein Körper heute andere Grenzen hat als gestern.
Wenn du wieder einmal etwas vergessen hast.
Vielleicht braucht dein eigener Anspruch an dich an dieser Stelle nicht noch mehr Druck.
Vielleicht braucht er einfach ein bisschen mehr **Luft zum Atmen.** 🤍
Denn Gehirnfreundlichkeit und Selbstfreundlichkeit gehören für mich zusammen.
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## Re~sSource – deine innere Orientierungslandschaft kennenlernen
Genau hier setzt meine **3-monatige Online-Begleitung Re~sSource** an.
Ein traumasensitiver und neuroaffirmativer Raum für Frauen, die sich selbst und ihren neurodivergenten Alltag besser verstehen möchten.
Ein wesentlicher Teil davon ist die **Bedürfnislandschaft**.
Denn Bedürfnisse können ein wichtiger innerer Kompass sein:
**vor einer Schwelle.
während eines Übergangs.
und danach.**
Re~sSource lädt dazu ein,
**wahrzunehmen,
zu verstehen,
auszuprobieren,
zu verbinden
und Schritt für Schritt zu verankern.**
Nicht als neues Selbstoptimierungsprojekt.
Sondern als Möglichkeit, deine ganz eigene innere Orientierungslandschaft kennenzulernen und daraus passende Formen der Selbstbegleitung zu entwickeln.
Die Pilotöffnung startet im **September**.
Zum Start gibt es zunächst **6 Plätze**.
Ich begleite Frauen traumasensitiv, neuroaffirmativ und mit Raum für das eigene Tempo – online und von meiner Praxis in Leipzig aus.
**Du musst nicht erst lernen, besser zu funktionieren.**
Vielleicht darfst du zunächst lernen, dich selbst besser zu verstehen.
Und wenn du professionelle Unterstützung suchst, dann schreibe mir gerne. Ob vor Ort in der Praxis oder online. Beides ist möglich.
Alles Liebe
Christin